Sonntag, Dezember 30th, 2007
Teuerung mit Hilfe des Bundes
Wichtige Medikamente kosten seit Anfang Jahr mehr. Die Kostenspirale dreht sich weiter, weil die Pharmaindustrie in Preisverhandlungen den Bund austrickst.
Zocor
Mitte Dezember 1999: Die eidgenössische Arzneimittelkommission tagt. Die Pharmaindustrie verlangt Preiserhöhungen. Es geht um Zocor, ein Medikament des amerikanischen Pharmariesen Merck Sharp & Dohme, das den Cholesterinspiegel senkt. Über 35 Millionen Franken Umsatz macht der Hersteller mit diesem Präparat allein in der Schweiz - Zocor ist das am zweithäufigsten verkaufte Medikament.
Die Pharmaindustrie hat den Verhandlungstisch als Siegerin verlassen: Eine Packung Zocor (28 Tabletten à 20 Milligramm) kostet neu Fr. 105.30 statt Fr. 92.45. Ein Aufschlag von 13,8 Prozent.
Die Industrie geht geschickt vor: Der Pharmariese Merck Sharp & Dohme lanciert ein "neues" Zocor. Die Pille enthält den gleichen Wirkstoff, erhöht hat sich nur die Dosierung (80 mg). Neu verlangt der Hersteller einen Einheitspreis: Wer eine viermal kleinere Menge schluckt, bezahlt gleich viel wie bei höchster Dosis. Verhandlungsspielraum bleibt wenig: Die Pharmaindustrie ist stur und droht damit, das alte, billigere Präparat vom Markt zu nehmen.

