Sonntag, Dezember 30th, 2007

Sonne im Herzen und Prozac im Hirn

 Die ersten Sonnentage, die erste Ahnung des Frühlings, der irgendwo um die Ecke lauern muß, verwirrt die Menschen und treibt sie zu sonderbaren Dingen. Als ich gestern mittag in den fast leeren Bus einstieg, saß gleich neben der Tür ein unscheinbarer Mann Mitte 40 mit Computer-Werberucksack neben sich, der aussah, als würde er immer noch von Mami eingekleidet. Er lächelte mich freundlich an, sagte aber nichts, vielleicht weil ich telefonierte (schlimme Unsitte, ich weiß). Als an der nächsten Haltestelle eine sehr hübsche Blondine einstieg, räumte er sofort den Rucksack beiseite und sagte: „Hier, setzen Sie sich doch zu mir.“ Die Frau lehnte ab und setzte sich vorsichtshalber ans andere Ende des Busses.
Prozac
Kaum hatte ich mein Telefonat beendet, stand der Mann auf, setzte sich neben mich und sagte: „Ach, dann setze ich mich eben zu Ihnen.“ Mehr sagte er nicht, sondern saß einfach nur stillvergnügt neben mir und lächelte mich gelegentlich von der Seite an. Einige Haltestellen später verbeugte er sich und sagte: „Vielen Dank, das war sehr angenehm mit Ihnen.“ Dann stieg er aus, drehte sich noch mal um, hauchte mir einen Kuß zu und rief „bis bald“. Wenn doch nur alle Männer so genügsam wären. Prozac

Der Hund mißtraut dem Frühling offensichtlich noch und beugt auf seine Art einem verspäteten Winterblues vor: Er hat gestern eine halbe Wochenration Prozac meiner Hundesitterin gefressen. Ich hatte zwar schon gelesen, daß vor allem in den USA der Markt für Haustierpsychopharmaka blüht, aber normalerweise verordnen sich die Tiere das nicht selbst. Der Hund steht jetzt unter verschärfter Beobachtung, aber bislang konnte keine Verhaltensmodifikation festgestellt werden.

Der Beitrag wurde am admin - Dezember 30th, 2007 | Kategorien: Prozac |

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